System aufsetzen

Sprint 1: Das System aufsetzen

Wie du als Einsteigerin mit einem KI-Coach an der Seite deine erste Entwicklungsumgebung baust. Ohne Vorwissen, ohne Angst vor dem schwarzen Fenster.

Wer ein Produkt bauen will, fängt selten mit dem Produkt an. Der typische erste Sprint dreht sich um etwas anderes: das System aufsetzen. Werkzeuge installieren, eine Umgebung schaffen, ein Archiv anlegen. Erst danach entsteht die eigentliche Software.

Das klingt nach dem langweiligen Teil. Ist es aber nicht. Es ist der Teil, in dem du dir das Fundament legst, auf dem alles Weitere steht. Und der gute Teil daran: du machst ihn nicht allein.

Dein Coach ist ein LLM

Bei diesem Schritt begleitet dich ein Sprachmodell deiner Wahl. Claude, Gemini, ChatGPT, Grok, such dir eines aus. Alle können dir erklären, was gerade passiert, warum ein Befehl nicht funktioniert und was der Fehler bedeutet, den dein Terminal dir gerade entgegenwirft.

Das verändert die Ausgangslage komplett. Früher hieß Einstieg in die Entwicklung: Dokumentation lesen, Foren durchsuchen, hoffen, dass jemand dasselbe Problem hatte. Heute fragst du einfach. Und du darfst dabei so naiv fragen, wie du willst. Dein Coach wird nicht ungeduldig.

Deshalb steht in diesem Beitrag an mehreren Stellen ein Kasten mit einem fertigen Prompt. Kopier ihn, gib ihn deinem LLM, lies die Antwort. So lernst du nebenbei, während du baust.

Was gebaut wird

Mein System läuft auf einem Mac. Es soll später KI-Agenten beherbergen, und die sollen nicht wild auf meinem Rechner herumlaufen. Sie brauchen einen abgetrennten Bereich, in dem sie arbeiten dürfen und aus dem sie nicht ausbrechen können. So einen Bereich nennt man Sandbox. Wie ein Sandkasten: drinnen darf gebuddelt werden, der Rest des Gartens bleibt sauber.

Für diese Sandbox fällt die Wahl auf Docker.

DEIN PROMPT
Was ist Docker? Erkläre es mir bitte so, als hätte ich noch nie damit gearbeitet, und nenne mir ein Alltagsbeispiel.

Die Kurzfassung, damit du weiterlesen kannst: Docker verpackt eine Software mitsamt allem, was sie zum Laufen braucht, in einen sogenannten Container. Dieser Container läuft auf deinem Rechner, aber abgeschottet von ihm. Er hat sein eigenes kleines Betriebssystem, seine eigenen Dateien, seine eigenen Grenzen. Du kannst ihn starten, stoppen und wegwerfen, ohne dass an deinem Mac irgendetwas kaputtgeht.

Genau das wollen wir. Die Agenten bekommen ihren Sandkasten, und mein Rechner bleibt meiner.

Und wo landet der Code?

Zweite Zutat: ein Archiv. Jeder Programmschritt soll nachvollziehbar festgehalten werden, damit du jederzeit zurückspringen kannst, wenn etwas schiefgeht. Dafür gibt es GitHub.

Auf github.com legst du ein sogenanntes Repository an, kurz Repo. Das ist ein Projektordner mit Gedächtnis. Jede Änderung wird als Schnappschuss gespeichert, mit Datum, mit Kommentar, mit der Möglichkeit, sie rückgängig zu machen. Für ein Projekt, das über Wochen wächst, ist das kein Luxus, sondern die Grundausstattung.

DEIN PROMPT
Was ist GitHub und was ist der Unterschied zwischen Git und GitHub? Bitte einfach erklärt, ich bin Einsteigerin.

Der Ort, an dem gearbeitet wird: das Terminal

Das Beispiel läuft im Terminal deines Macs. Wenn du bisher nur mit Fenstern, Symbolen und Maus gearbeitet hast, ist das der Moment, in dem es ungewohnt wird. Halb so wild.

Das Terminal ist ein Fenster, in dem du Befehle tippst statt zu klicken. Mehr nicht. Es sieht altmodisch aus, weil es alt ist, und es hat überlebt, weil es präzise ist. Was du tippst, passiert. Ohne Umwege.

Wie starte ich ein Terminal auf meinem Mac?

Drücke Cmd + Leertaste, tippe Terminal, drücke Enter. Es öffnet sich ein Fenster mit einer Textzeile, die mit einem Prozentzeichen endet. Das ist die Eingabeaufforderung. Dort tippst du.

DEIN PROMPT
Wie starte ich ein Terminal auf meinem Mac und was bedeuten die Zeichen, die ich dort sehe?

ClaudeCode ins Terminal holen

Jetzt kommt der Schritt, der aus dem Terminal ein Werkzeug macht, mit dem du reden kannst. Ich benutze ClaudeCode. Das ist ein Programm, das direkt im Terminal läuft und in dem du in normaler Sprache beschreibst, was passieren soll. Es liest deine Dateien, schlägt Änderungen vor, führt Befehle aus und fragt dich vorher um Erlaubnis.

Wie starte ich ClaudeCode auf meinem Mac Terminal?

Installieren, einmal einloggen, starten. In dieser Reihenfolge:

curl -fsSL https://claude.ai/install.sh | bash

Danach das Terminal einmal schließen und neu öffnen. Zum Prüfen, ob es geklappt hat:

claude --version

Erscheint eine Versionsnummer, ist alles gut. Dann startest du das Programm:

claude

Beim allerersten Start fragt ClaudeCode nach deinem Account. Der Browser öffnet sich, du bestätigst, fertig. Danach musst du dich nicht mehr anmelden.

DEIN PROMPT
Wie installiere und starte ich ClaudeCode auf meinem Mac Terminal? Führe mich bitte Schritt für Schritt durch, ich habe das noch nie gemacht.

Eine Sache, die am Anfang irritiert

Ab jetzt gibt es zwei Orte im selben Fenster, und sie fühlen sich ähnlich an, sind es aber nicht:

  • Das Terminal. Die Zeile endet mit einem Prozentzeichen. Hier tippst du Befehle, also Dinge wie claude oder docker --version.
  • ClaudeCode. Du siehst ein Eingabefeld mit Rahmen. Hier tippst du in normaler Sprache, was du willst.

Wenn du einen Befehl versehentlich in ClaudeCode tippst, versteht er ihn als Auftrag und fängt an, darüber nachzudenken. Nichts geht kaputt, es wirkt nur seltsam. Mit /exit kommst du aus ClaudeCode zurück ins Terminal.

Der erste echte Prompt

Wenn ClaudeCode läuft, geht es los. Und der erste sinnvolle Auftrag ist nicht „bau mir etwas“, sondern „schau nach, was da ist“. Denn bevor gebaut wird, muss das Werkzeug bereitliegen.

DEIN PROMPT
Prüfe bitte, ob docker, gh und brew auf diesem Mac installiert sind, und ob ich bei GitHub eingeloggt bin. Führe dafür docker –version, gh auth status und brew –version aus und fasse mir das Ergebnis zusammen.

Drei Namen tauchen darin auf, hier ist, wofür sie stehen:

  • docker ist die Sandbox-Technik von oben. Auf dem Mac installierst du dafür Docker Desktop. Wenn es läuft, siehst du oben in der Menüleiste ein kleines Wal-Symbol.
  • gh ist die GitHub-Kommandozeile. Damit kann ClaudeCode dein Repository selbst anlegen und deinen Code hochladen, ohne dass du im Browser herumklickst.
  • brew ist Homebrew, der Paketmanager für den Mac. Damit installierst du Entwicklerwerkzeuge mit einem einzigen Befehl, statt Installationsdateien zusammenzusuchen.

ClaudeCode fragt dich um Erlaubnis, bevor er diese Befehle ausführt. Bestätige sie. Dann bekommst du eine Zusammenfassung, was vorhanden ist und was fehlt. Falls etwas fehlt, weißt du jetzt schon, wen du fragst.

Kleiner, aber wichtiger Hinweis: bei --version stehen zwei einzelne Bindestriche nebeneinander. Manche Textprogramme wandeln die automatisch in einen langen Strich um. Wenn du einen Befehl aus einem Blogbeitrag kopierst und er nicht funktioniert, ist das erstaunlich oft der Grund.

Du bist startklar

An diesem Punkt hast du ein Terminal, ein KI-Werkzeug darin, eine Idee davon, was Docker und GitHub sind, und eine ehrliche Bestandsaufnahme deines Rechners. Das ist Sprint 1. Kein Produkt, aber ein Fundament.

Was mich an dieser Arbeitsweise überzeugt: du musst nichts davon vorher wissen. Du musst nur bereit sein zu fragen. Dein gewähltes LLM ist dein Coach, und ein Coach, der nie genervt ist, dir dieselbe Frage dreimal beantwortet und um vier Uhr nachts genauso geduldig ist wie um zehn Uhr morgens, ist beim Lernen ziemlich schwer zu schlagen.

Im nächsten Beitrag bauen wir die Sandbox tatsächlich. Container, Grenzen, Sicherheit. Und ja, auch da begleitet uns der Coach.